Sprechblasen und nichts dahinter. Oft verstecken sich Menschen hinter Floskeln und falschen Bildern. Foto: burak çakmak - Fotolia.com

Die deutsche Sprache hat so seine Tücken, keine Frage. Immer wieder kommen mir in meiner Praxis Ausdrücke und Redewendungen unter, die inzwischen zwar eingebürgert aber dennoch falsch sind. Ich verwende sie aus diesem Grund auch nicht. Hier ein paar Beispiele:

Quantensprung – Ursprünglich bezeichnet der Quantensprung den Übergang zwischen zwei Werten einer physikalischen Größe im atomaren Bereich. Typisch für den Quantensprung ist, dass er winzig ist und in sehr kurzer Zeit abläuft. Besonders Politiker verdrehen die Bedeutung des Quantensprungs ins glatte Gegenteil. Bei ihnen ist ein solcher Sprung geradezu gewaltig und von epochaler Bedeutung. Klingt ja auch irgendwie bedeutungsschwer.

Der letzte… – Der letzte Spieltag, der letzte Sonnenuntergang, letzten Sonntag… In fast 90 Prozent wird das Wort falsch benutzt, denn es steht  beschreibt eigentlich einen finalen Zustand. So gibt es den „letzten Mohikaner“ und den „letzten Kanzler der Weimarer Republik“, weil weder das eine noch das andere wohl wiederkehren. Bei allen anderen muss es heißen: Der jüngste Spieltag, der jüngste Sonnenuntergang, vergangenen Sonntag etc.

Highlight – „Höhepunkt war der Auftritt der Sängerin bei einer sonst an Highlights armen Veranstaltung.“ Die schönen Anglizismen lassen uns einfach nicht in Ruhe. Versucht doch mal etwas auf deutsch zu sagen! Keiner verlangt, dass aus dem Computer wieder der Rechner und aus dem Handy wieder das Mobiltelefon wird, aber dennoch sollte man mit Anglizismen sparsam umgehen.

Erdrutschartige Gewinne – Ein Erdrutsch geht bekanntlich nach unten, warum sollte man also einen Wahlsieg mit einem Erdrutsch vergleichen? Ein wirklich schiefes Bild.

Studierende – Gender-Experten (und Expertinnen) lassen grüßen: Damit nicht weibliche und männliche Form verwendet werden müssen, behelfen sich besonders schlaue Gender-Experten mit Wortschöpfungen wie Studierende, Mitarbeitende, Zuschauende und so weiter. Doch dieses Partizip drückt keinen Status wie das Eingeschriebensein an einer Universität aus sondern eine Tätigkeit. Und mal ehrlich: Welcher Student ist ständig ein Studierender?

Bereich – „Im Bereich der Kreuzung kam es zum Zusammenstoß.“ – „Im Bereich der Bildungspolitik ist er ein Experte.“ Das Wort Bereich ist so überflüssig wie sonst fast kein anderes Wort. Es ist einfach ein Füllwort für Menschen, die sich nicht gerne festlegen möchten. Sie legen etwas in den Bereich, vielleicht sogar in den Bereich des Möglichen.

Bis auf den letzten Platz gefüllt – Ein Platz blieb also leer!

Über welchen sprachlichen Unsinn könnt ihr euch aufregen? Schreibt es in die Kommentare!

 

 

 


Stefan Freiwald

Stefan Freiwald ist Inhaber von Freiwald Kommunikation - Büro für Journalismus, PR und Marketing in Vechta. In diesem Blog berichtet er aus seiner Erfahrung als Agenturchef und Journalist.

2 Kommentare

Beavis667 · 17. Oktober 2013 um 11:28

Der sich immer stärker durchsetztende falsche Gebrauch des Verbs „kommunizieren“ ist so ein Thema. Häufig hört man „etwas wurde kommuniziert“, „etwas muß besser kommuniziert werden“. Dabei ist „kommunizieren“ intransitiv und daher niemals mit einem Akkusativ-Objekt zu verwenden.

Peter Pietschmann · 14. Juli 2015 um 11:45

Das prekariatssprachliche Adjektiv „lohnenswert“ hat sich allem Anschein nach in der deutschen Gegenwartssprache inzwischen einen festen Platz erworben. Es wird für „lohnend“ gebraucht und ist folglich sprachlicher Mumpitz, der sich offenbar nach dem Usus-tyrannus-Prinzip auch im Duden etablieren konnte. Ich habe es sogar schon in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gelesen. Arme deutsche Sprache!

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